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BMBF Klausurwoche



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"Individualisierte Medizin zwischen  Hype und Hope. Ethische, rechtliche und soziale Herausforderungen einer in Szene gesetzten Vision"

Follow-Up Konferenz


Genauere Diagnosen, bessere Therapien, Medikamente  mit weniger Nebenwirkungen, verbunden mit einer größeren Kosteneffizienz – das sind die prominentesten Hoffnungen, die sich mit der ‚Individualisierten Medizin‘ (IM) verbinden.

Ausgehend von diesen Visionen werden die Auswirkungen der IM auf unserere Gesundheitsversorgung in einem Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit am 26.01.2012 diskutiert.

Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an den Diskussionen teilzunehmen.

Die Veranstaltungen im Einzelnen:

Szenarienworkshop
Individualisierte Medizin und die zukünftigen Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung.
Donnerstag 26.01.2012, 17.30 - 19.45 Uhr
(Um eine Anmeldung wird gebeten, Vorkenntnisse zur Thematik sind nicht erforderlich)

Podiumsdiskussion
Individualisierte Medizin zwischen Hype und Hope.
Die Resultate des Szenarienworkshops in der Diskussion.
Donnerstag  26.01.2012, 20.00 Uhr
(Keine Anmeldung erforderlich)

Beide Veranstaltungen finden im Senatssaal der FAU,
Universitätsstraße 15, 91054 Erlangen statt.


Thematik

Unter dem Schlagwort „Individualisierte Medizin“ werden derzeit vor allem Chancen und Risiken einer biomarkerbasierten Medizin ausgelotet. Das Versprechen einer solchen Transformation von Medizin und Gesundheitsversorgung liegt darin, durch z.T. mit anderen Informationen über die betroffene Person kombinierte Biomarkeranalyse, sowohl präzisere Diagnosen als auch auf das Individuum besser zugeschnittene Therapien und möglicherweise auch Präventionen entwickeln zu wollen. Ob durch eine solche biomarkerbasierte Differenzierung medizinischer Regime Kosten gesenkt oder durch die zusätzlich benötigte Gewinnung und Verarbeitung von Informationen gesteigert werden, ist umstritten. Beabsichtigt ist in jedem Fall eine Steigerung präventiver, diagnostischer und therapeutischer Effektivität. Neben hochtrabenden Erwartungen trifft die Vision der "Individualisierten Medizin" auf Skepsis und Befürchtungen. Viele Reporte oder Untersuchungen zeigen dabei einseitig entweder vor allem Vor‐ oder Nachteile der entsprechend in Szene gesetzten Vision auf. Demgegenüber ist zu eruieren, wie eine aus verschiedenen Disziplinen verfasste, sie im Gespräch miteinander verbindende, interdisziplinäre und schließlich in einer transdisziplinären governance‐Perspektive mündenden Beurteilung der "Individualisierten Medizin" konzipiert werden kann.

Exemplarische Fragestellungen

  • Wie kann das Verhältnis der „Individualisierten Medizin“ zu anderen gesellschaftlichen Orientierungskonzepten (z.B. zu ‚Eigenverantwortung‘, ‚Solidarität‘, ‚Gerechtigkeit‘, ‚Gemeinschaft‘, aber auch ‚Standardisierung‘ und ‚Normalität‘) konstituiert werden?
  • Welche anthropologischen Implikationen ergeben sich in vorliegenden Deutungen der "Individualisierten Medizin" und welche gesellschaftlichen Leitbilder werden jeweils befördert?
  • Welche Implikationen und Herausforderungen ergeben sich auf verfassungs‐, sozial‐ und datenschutzrechtlicher Ebene? Wie kann die "Individualisierte Medizin" mit ihren Konsequenzen gemäß den unterschiedlichen Vorstellungen gesundheitsrechtlich in die geltenden Regelungen implementiert werden? Droht der Komplex patentrecht-licher Schwierigkeiten den möglichen Ausbau des Forschungs‐ und Medizinzweiges schon im Keime zu ersticken?
  • Welche Effekte auf die klinische Ethik‐Beratung generieren die jeweiligen Visionen sog. individualisierter Medizin? Kommt es angesichts der erwartbaren Komplexitätssteigerung in der Generierung medizinischer Information und ihrer Anwendungen in Diagnostik, Therapie und evtl. auch Prävention zu einer Unterminierung des Arzt‐Patienten‐Verhältnisses? Ist mit neuen Asymmetrien zu rechnen, die entsprechende neue institutionelle Stabilisierungsmuster für die Gewinnung eines informed consent verlangen?
  • Welche Formen von Verantwortungszuschreibungen für das Verständnis von Krankheit und Gesundheit und den Umgang damit werden in den jeweiligen Visionsangeboten der "Individualisierten Medizin" vertreten?
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Organisatorische Hinweise


Tagungsleitung:
Prof. Dr. Peter Dabrock, M.A.
Lehrstuhl für Systematische Theologie (Ethik)
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kochstraße 6
D-91054 Erlangen

Fragen zu Organisation und Anmeldung:
Matthias Braun
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kochstraße 6
Tel: 09131/8526078
Fax: 09131/8529020
Email: matthias.braun@theologie.uni-erlangen.de

Die Klausurwoche wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.